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Unsere Hilfe in Afghanistan

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Die aktuelle Situation in Afghanistan 

Der politische Umbruch bleibt nicht ohne Folgen für die medizinische Versorgung der Menschen. Durch die Einstellung von internationalen Geldern und dem lahmgelegten Bankensektor geraten medizinische Einrichtungen unter noch größeren Druck. Es mangelt an Personal und Material. Einige Kliniken mussten schließen, andere funktionieren nur noch schlecht. Weil wir unsere Arbeit unabhängig finanzieren, können wir auch in Afghanistan weiterarbeiten. So setzen wir unsere Projekte in Herat, Kandahar, Khost, Kundus und Laschkar Gah fort. Doch wir allein können die großen Lücken im afghanischen Gesundheitssystem nicht schließen.   

Der Rückgang der Gewalt macht es den Menschen inzwischen wieder etwas besser möglich, zu reisen. In unseren Projekten, insbesondere in Helmand und Herat, kommen seither deutlich mehr Patient*innen an – sie nehmen teilweise lange Wege und hohe Kosten auf sich, um bei uns medizinische Hilfe zu erhalten.    

Mangelernährung ist und bleibt eine Gefahr in Afghanistan - vor allem für Kinder. Anhaltende Dürren und knappe Lebensmittel sind einige Gründe. 2021 wurden deutlich mehr mangelernährte Kinder in unsere Ernährungszentren gebracht als noch im Vorjahr. Seit Monaten behandeln wir Hunderte von ihnen in stationären Ernährungszentren in Helmand und Herat. Die Zahl der erkrankten Kinder steigt auch in Kandahar. Dort haben wir deshalb im Dezember 2021 ein ambulantes therapeutisches Ernährungszentrum eröffnet.  

Zusätzlich dazu verzeichnen unsere Mitarbeiter*innen in Helmand und Herat eine besorgniserregende Zahl von Masernfällen. Allein im Februar 2022 behandelten wir mehr als 1.400 an Masern erkrankte Kinder. Masern sind für die Kinder, deren Immunsystem bereits aufgrund von Mangelernährung geschwächt ist, ein lebensbedrohliches Risiko. Wir haben die Kapazitäten in unseren medizinischen Einrichtungen extrem aufgestockt und unterstützen Krankenhäuser in den Regionen. Ohne eine breit angelegte Impfkampagne werden die schweren Krankheitsverläufe in den nächsten sechs Monaten drastisch zunehmen und das schwache afghanisch Gesundheitssystem noch mehr unter Druck setzen.

Wie wir in Afghanistan helfen 

  • Wir behandeln Kinder bei Mangelernährung. 
  • Wir versorgen Schwangere und Neugeborene und bieten kostenlose Geburtshilfe. 
  • Wir kümmern uns in Notaufnahmen um die Versorgung von Verletzten und Verwundeten. 
  • Wir behandeln Menschen, die zum Beispiel an Tuberkulose oder Covid-19 erkrankt sind. 
  • Wir versorgen Vertriebene unter anderem mit sauberem Trinkwasser und leisten medizinische Unterstützung. 

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Warum wir in Afghanistan helfen

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Der 12 Jahre alte Samiullah erreichte unser Krankenhaus nach einer mehrstündigen Reise. Hier ist er mit seinem Onkel im Krankenhaus zu sehen.
Um das Krankenhaus zu erreichen, mussten der 12-jährige Samiullah mit einer Schusswunde am Kopf und seine Mutter sich mehrere Stunden auf den Weg machen.
©MSF/Tom Casey

Die Zukunft Afghanistans ist seit dem Machtwechsel ungewiss und die Herausforderungen, vor denen wir stehen, ändern sich. Das afghanische Gesundheitssystem ist unterfinanziert und unzureichend ausgestattet: Ein völliger Zusammenbruch des Gesundheitssystems ist eine reale Gefahr. Mangelnde medizinische Versorgung, Gewalt, Armut und anhaltende Dürren sind weitere Ursachen für eine hohe Sterblichkeitsrate in Afghanistan.   

Unsere Patient*innen berichten von langen, gefährlichen Wegen, um mangelernährte Babys, Schwangere oder verletzte Angehörige ins Krankenhaus zu bringen. Sie erzählen von Kliniken, in denen es nicht genügend Medikamente oder qualifiziertes Personal gibt. Oft kämpfen sie mit Schulden aufgrund der Behandlungskosten. Bei Ärzte ohne Grenzen erhalten sie kostenlos medizinische Hilfe.  

Unsere Arbeit in Afghanistan wird durch die Gewalt im Land immer wieder erschwert. In den letzten Jahren gab es schwere Angriffe auf unsere Krankenhäuser: Im Oktober 2015 zerstörten US-Luftangriffe unsere Unfallklinik in Kundus. 42 Menschen wurden getötet. Mittlerweile haben wir das Trauma-Zentrum in Kundus wieder aufgebaut und konnten es im Sommer 2021 wieder öffnen. Zusätzlich richteten wir hier eine provisorische Ambulanz für Vertriebene ein, wo wir die Menschen medizinisch versorgen und sie unter anderem sauberes Trinkwasser bekommen.  

Wir arbeiten gemäß der humanitären Prinzipien Neutralität, Unabhängigkeit und Unparteilichkeit. Diese wirken oft abstrakt aber gerade anlässlich der neuen Situation in Afghanistan sehen wir, wie wichtig diese sind: Denn sie sind der Hauptgrund, warum wir unsere Arbeit vor Ort trotz aller Widrigkeiten weiterführen können. Die Behandlung von Patient*innen ist unsere Verantwortung und gleichzeitig hat die Sicherheit unserer Teams und Patient*innen immer höchste Priorität. In den fünf Provinzen Helmand, Herat, Kandahar, Chost und Kundus sind unsere Teams im Einsatz und leisten dringend notwendige medizinische Hilfe.

Maria Fix berichtet in der 19. Folge unseres Podcasts „Notaufnahme“ über die Situation in Afghanistan und unsere humanitäre Hilfe vor Ort.

Sie ist leitende Krankenpflegerin in unserer Klinik in Laschkar Gah, welches aktuell das einzige Provinzkrankenhaus für 1,5 Millionen Menschen ist. Mit 600 bis 800 Patient*innen täglich und durchschnittlich 60 bis 80 Geburten pro Tag sind Maria und ihr Team ausgelastet.

  • 66.4
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 63.4
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 2196
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 33.3
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Unsere Hilfe in Afghanistan 2020

  • 130.500 Konsultationen

  • 36.300 begleitete Geburten

  • 6.990 chirurgische Eingriffe

  • 1.370 Behandlungen von Menschen mit Tuberkulose

  • 600 stationäre Aufnahmen von Covid-19-Patient*innen

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Ein medizinischer Mitarbeiter betrachtet das Röntgenbild eines Patienten
Viele der Patient*innen die uns erreichen, haben lange und gefährliche Wege hinter sich.
©Stig Walravens/MSF

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Behandlung von Tuberkulose in Kandahar

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Badro Noor Mohammad wird wegen medikamentenresistenter Tuberkulose behandelt.
Badro Noor Mohammad und ihre Tochter Zainabo werden in unserem Behandlungszentrum in Kandahar wegen ihrer resistenten Tuberkulose behandelt. Sie wohnen seit fast einem Jahr im Gästehaus für Patient*innen.
©MSF/Laura Mc Andrew

Resistente Tuberkulose ist ein großes Problem in Afghanistan. Mangelndes Wissen über die Krankheit und unzureichende Verfügbarkeit von wirksamen Medikamenten verschärfen das Problem. In Kandahar unterstützen wir deshalb das Gesundheitsministerium bei der Diagnose und Behandlung von resistenten Formen der Tuberkulose. In unserem Behandlungszentrum versorgen wir Patient*innen sowohl ambulant als auch stationär und unterstützen sie bei den psychischen Herausforderungen, die mit der monatelangen Behandlung einhergehen. 

Im April 2021 eröffneten wir eine neue Tuberkulose-Station mit 24 Betten. Als die Kämpfe im Juli schließlich die Stadt erreichten, erhielten die Patient*innen von uns einen größeren Vorrat an Medikamenten, falls es zu gefährlich für sie werden würde, zu uns zu kommen. 

Seit Dezember 2019 können wir unseren Patient*innen auch eine tablettenbasierte neunmonatige Behandlung bieten: Für die Menschen bedeutet das weniger Nebenwirkungen, eine deutlich kürzere Behandlungsdauer und ein Zugewinn an Lebensqualität. Daneben unterstützen wir das Mirwais-Regionalkrankenhaus, das Tuberkulose-Zentrum der Provinz sowie das Sarposa-Gefängnis in Kandahar bei der Diagnose und Behandlung von Tuberkulose.

Lebensrettende Geburtshilfe für Mütter und Kinder

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Eine Hebamme untersucht eine Frau unter ihrem Kleid
Bis zu 55 Geburten am Tag - dies ist auf der Entbindungsstation in unserem Projekt in Chost Realität.
©Oriane Zerah

In unserer Klinik in Chost kommen mehr Kinder zur Welt als in jedem anderen Projekt von Ärzte ohne Grenzen. Im November 2021 waren die Betten zu 130 Prozent belegt. Dank kostenloser, qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung können wir in unseren beiden Krankenhäusern in den Provinzen Chost und Helmand das Leben vieler Mütter und Neugeborenen retten. Ein wichtiger Beitrag in einem vom Krieg gezeichneten Land: Denn nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sterben in Afghanistan fast 70-mal mehr Mütter bei der Geburt als in Deutschland. Ein Grund dafür ist, dass in dem Land nur knapp mehr als die Hälfte der Geburten durch geschultes Personal begleitet wird. In ländlichen Regionen wie der Provinz Chost wird die Lage dadurch verschärft, dass es nur Frauen erlaubt ist, Patientinnen zu behandeln. 

Deshalb ist die Ausbildung von medizinischem Personal ein wichtiger und integraler Bestandteil unserer Arbeit in Afghanistan. Allein in unserer Klinik in Chost arbeiten rund 280 Afghaninnen. Das Projekt ist damit inzwischen der größte Arbeitgeber für Frauen in der Region. Außerdem unterstützen wir insgesamt acht weitere Gesundheitszentren in der Region, damit Patientinnen bei unkomplizierten Geburten näher an ihrem Wohnort entbinden können.

Als Hebammen in Afghanistan sind wir die stillen Führerinnen unseres Landes. Wir stehen am Bett der schwangeren Frauen, die die Zukunft des Landes zur Welt bringen - und wir müssen geschützt werden.

Zahra Koochizad, Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen auf der Geburtsstation im Krankenhaus Dasht-e-Barchi in Kabul

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Eine Mitarbeiterin von Ärzte ohne Grenzen untersucht ein Neugeborenes.
Für viele Afghan*innen ist der Weg ins Krankenhaus nicht nur unbezahlbar, sondern auch gefährlich. Insbesondere bei Frauen gibt es, neben fehlendem Wissen über Frauengesundheit, kulturell verankerte Hürden.
©Oriane Zerah

Nicht nur der Weg in eine Klinik ist riskant, sondern auch die Ankunft in einer Einrichtung ist keine Garantie für Sicherheit. Das mussten unsere Patient*innen und Mitarbeiter*innen am 12. Mai 2020 schmerzlich erfahren. Bewaffnete Männer stürmten die Entbindungsstation im Krankenhaus Dascht-e-Bartschi in Kabul. Nach dem tödlichen Angriff mit 24 Toten haben wir das Projekt geschlossen, da wir die Sicherheit unserer Mitarbeiter*innen und Patientinnen nicht mehr garantieren konnten. Für die Gesundheit der Frauen und Kinder in der Region hat das schwerwiegende Folgen. Denn eine wichtige Hilfe fehlt nun. Mit fast 16.000 Entbindungen im Jahr 2019 war die Entbindungsstation eines unserer größten derartigen Projekte weltweit.

Covid-19-Behandlungszentrum in Herat

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Patient mit Atemmaske im Covid-19-Behandlungszentrum in Herat
Mohammed Hashim ist der erste Patient im neu eröffneten 32-Betten-COVID-19-Behandlungszentrum in Herat.
©Laura Mc Andrew/MSF

Im November 2021 behandelten wir täglich etwa 100 Covid-19-Verdachtsfälle im Regionalkrankenhaus in Herat. Die wenigen Patient*innen, die in kritischem Zustand oder schwer erkrankt waren, haben wir an Covid-19-Behandlungszentren überwiesen, darunter auch unsere nahe gelegene Covid-19-Behandlungseinrichtung. 

Schon Ende Februar 2020 gab es in Herat erste Erkrankte. Die Pandemie verschlechterte die Situation im seit Jahrzehnten überlasteten afghanischen Gesundheitssystems weiter. Viele Ärzt*innen und Pflegekräfte erkrankten schwer. Der Mangel an Fachpersonal war überall zu spüren. Wo immer möglich haben wir unsere Projekte um Angebote für Covid-19-Patient*innen erweitert: In unserer Geburtsklinik in Chost beispielsweise haben wir eine separate Station für an Covid-19 erkrankte Schwangere und Neugeborene eingerichtet. In den Projekten in Helmand und Kandahar behandelten wir Covid-19-Patient*innen mit Komorbiditäten.

Notfallversorgung in Laschkar Gah

Die Provinz Helmand ist seit mehr als einem Jahrzehnt Schauplatz heftiger Auseinandersetzungen. Auch nach der Machtübernahme durch die Taliban ist das Boost-Krankenhaus in Lashkar Gah ausgelastet. Denn es ist das einzige voll funktionsfähige öffentliche Krankenhaus in der Provinz. In unserer Notaufnahme herrscht weiterhin Hochbetrieb.  

Im Mai 2021 kam es in der Gegend von Laschkar Gah zu schweren Kämpfen, die bis August 2021 anhielten. Vor allem im Juli und August wurde in den Straßen heftig gekämpft, wodurch es für die Menschen zu gefährlich wurde ins Krankenhaus zu kommen. 13 Tage lang war es unseren Teams nicht möglich, das Boost-Krankenhaus zu verlassen. Dennoch versorgten wir viele Verletzte und Verwundete. Unsere Teams unterstützen ihre afghanischen Kolleg*innen unter anderem in der Notaufnahme, in der im vergangenen Jahr täglich rund 300 Patient*innen mit Verletzungen, Atemwegsinfektionen oder akutem Durchfall Hilfe suchten. Außerdem arbeiteten unsere Teams in der Chirurgie, in der Neonatologie und Pädiatrie. 

Zuletzt aktualisiert am: 10. Mai 2022