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Wo wir arbeiten

Unsere Hilfe in der Demokratischen Republik Kongo

  • 62.2
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 59.1
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 3064
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 133.8
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Der Nordosten des großen zentralafrikanischen Landes ist von Jahren wiederkehrender Konflikte geprägt. Deren Ursprung ist nur vor dem Hintergrund der Unterdrückung in der Kolonialzeit zu verstehen. Die Menschen leiden vor allem darunter, dass staatliche Strukturen fehlen. Es kommt immer wieder zu Überfällen bewaffneter Gruppierungen und gewaltsamen Reaktionen des Militärs darauf. Massive Vertreibungen gehören zu den Folgen: Mehr als fünf Millionen Menschen wurden in den vergangenen zwei Jahren innerhalb des Landes vertrieben. Dies begünstigt auch Krankheitsausbrüche: unter anderem Malaria und 2020 gab es gleich zwei Ebola-Ausbrüche. Im vergangenen Jahr begann dann auch noch die Covid-19-Pandemie. Das kongolesische Gesundheitssystem ist diesen Herausforderungen nicht gewachsen. Wir arbeiten daher seit vielen Jahren auch in Langzeitprojekten im Land und leisten lebensrettende Hilfe. 2020 hatten wir Programme in 16 der 26 Provinzen des Landes. Neben vorsorgenden Angeboten bei HIV/Aids, Tuberkulose und Cholera geht es dabei um chirurgische Hilfe, die Unterstützung von Kindern und Müttern und Betroffenen von sexualisierter Gewalt. Auch Ernährungsprogramme und psychologische Angebote gehören dazu. Wegen der 2020 erneut eskalierten Gewalt, durch die auch wir von einigen Sicherheitsvorfällen in den Provinzen Nord- und Süd-Kivu betroffen waren, mussten wir leider an einigen Orten unsere Arbeit reduzieren.

Unsere Hilfe in der Demokratischen Republik Kongo 2020

  • 1.694.103 ambulante Sprechstunden   

  • 136.839 stationäre Behandlungen 

  • 567.826 Masernimpfungen nach Ausbruch einer Epidemie   

  • 680.715 Malaria-Behandlungen   

  • 11.867 chirurgische Eingriffe   

  • 9.736 Behandlungen infolge sexueller Gewalt   

  • 4.143 Cholerabehandlungen   

  • 4.410 Behandlungen infolge körperlicher Gewalt   

  • 135 Behandlungen von HIV-Patient*innen in fortgeschrittenem Stadium  

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1977 medizinische Hilfe in der Demokratischen Republik Kongo an. 

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Ebola in einer Region mit Hundertausenden Vertriebenen 

Wegen der fragilen Sicherheitslage in der Demokratischen Republik Kongo ist die medizinische Versorgung stark eingeschränkt und in vielen Fällen kaum erreichbar. Besonders alarmierend war die Lage in der nordöstlichen Provinz Ituri, wo Hunderttausende Menschen unter extrem schlechten Lebensbedingungen in provisorischen Unterkünften leben müssen. In dieser Situation breitete sich 2019 und 2020 die größte Ebola-Epidemie in der Geschichte des Landes aus. Unsere Mitarbeiter*innen leisteten Aufklärungsarbeit, arbeiteten in Behandlungszentren und beteiligten sich an Impfprogrammen. Bis zum Ende des ersten Ebola-Ausbruchs im vergangenen Jahr waren fast 2.900 infizierte Menschen gestorben. Im Juni brach dann die Krankheit in der Provinz Äquator aus. Durch die Erfahrung aus den vergangenen Ebola-Epidemien konnten schließlich über einen dezentralisierten Ansatz wichtige Fortschritte bei der Bekämpfung erzielt werden: Dabei arbeiteten wir mit mobilen Teams auf Gemeindeebene zusammen. Beim ersten Ausbruch waren 66 Prozent der Menschen, bei denen eine Infektion bestätigt worden war, verstorben. Beim zweiten Ausbruch waren es mit knapp 43 Prozent deutlich weniger. 

Hilfe bei weltweit größtem Masernausbruch 

Bereits 2018 brachen in der Demokratischen Republik Kongo die Masern aus. Im Folgejahr hatte sich der Ausbruch zum größten weltweit entwickelt. Mit einer groß angelegten Masern-Impfkampagne erreichten unsere Teams allein 2019 mehr als 679.500 Kinder. Da die Durchimpfungsrate in der D. R. Kongo grundlegend sehr niedrig ist, unterstützten wir 2020 auch bei der Behandlung. Mehr als 70.650 Erkrankte waren allein in diesem einen Jahr zu verzeichnen, mehr als 1.000 Menschen starben.Im August 2020 konnte der Ausbruch schließlich für beendet erklärt werden 

Zusammenarbeit, Schulungen und Aufklärungsarbeit 

Bei ihren Einsätzen in der D. R. Kongo stellen sich unseren Teams durch die Weitläufigkeit des Landes und die schwache Infrastruktur große Hürden. Nicht selten müssen unsere Mitarbeiter*innen Material und Medikamente mit Jeeps, Motorrädern oder Kanus über Flüsse, Schlammpisten und durch den Dschungel transportieren. Das Vertrauen der Menschen zu gewinnen, ist eine weitere Herausforderung: Verunsicherung in der Bevölkerung macht es immer wieder erforderlich, dass wir verstärkt Aufklärungsarbeit leisten. Dabei setzen wir auf die Zusammenarbeit mit Menschen aus den Gemeinden und schulen kongolesische Gesundheitsberater*innen. 

Während des Ebola-Ausbruchs wurde vielen Menschen, die beispielsweise wegen Malaria oder zur Schwangerenvorsorge eine Behandlung gebraucht hätten, gesagt, man könne sich nicht um sie kümmern. Denn es sei kein Geld dafür da. Es gab nur Geld für Ebola. Also dachten viele, dass es bei Ebola nur ums Geschäftemachen ginge. Wir müssen also den individuellen Bedürfnissen der Menschen nachkommen und ihnen weiterhin grundlegende Gesundheitsdienste anbieten. Wir müssen uns ihr Vertrauen verdienen und mit ihnen zusammenarbeiten.

Unser Mitarbeiter David Walubila Mwinyi aus seinem Einsatz gegen Covid-19, Provinz Süd-Kivu 

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Unser Mitarbeiter neben seinem Einsatzfahrzeug
©Davide Scalenghe/MSF

Trotz Covid-19: Wichtige andere Unterstützung 

Seit März 2020 unterstützen wir in der D.R. Kongo den Kampf gegen die Covid-19-Pandemie. So haben wir in der 2020 am stärksten betroffenen Hauptstadt Kinshasa mit dem St. Joseph-Krankenhaus zusammengearbeitet. Sehr wichtig ist es, trotz des zusätzlichen Hilfsbedarfs durch die Covid-19-Pandemie, die regulären Gesundheitsangebote weiterzuführen: Jährlich behandeln wir Hundertausende Malaria-Patient*innen, bieten ambulante Sprechstunden an und unterstützen mit lokal angepassten Programmen HIV/Aids-Patient*innen bei ihrer Therapie. Auch auf Notfälle reagieren unsere Teams und helfen beispielsweise, wenn Menschen nach Gewaltausbrüchen fliehen und in Camps Zuflucht suchen mussten. 

Viele Menschen wurden auf der Flucht getötet. Seit wir hier sind, haben wir Schwierigkeiten, Nahrungsmittel zu bekommen. Ständig drohen Regenfälle und unsere Unterkünfte können jeden Moment niederbrennen. Unser Leben hier ist erbärmlich.

Justin und seine Familie sind vor Kämpfen zwischen bewaffneten Gruppen und der kongolesischen Armee aus Nord-Kivu in die Nachbarprovinz Süd-Kivu geflohen. 

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Geflüchtete neben provisorischer Behausung
©Paul Duke/ MSF

Hilfe bei sexualisierter Gewalt  

Im Schatten der Konflikte ist sexualisierte Gewalt in der Demokratischen Republik Kongo weit verbreitet. Seit 2017 die Kämpfe im Land erneut ausgebrochen sind, haben wir Tausende betroffene Frauen und Männer behandelt. Zur körperlichen und seelischen Verletzung der Menschen kommt der soziale Ausschluss hinzu. Viele Überlebende werden von ihren Familien bei Bekanntwerden eines sexualisierten Übergriffs verstoßen. 

Unsere Angebote in sechs Provinzen des Landes umfassen für Überlebende umfangreiche medizinische Behandlungen, die Möglichkeit einer Notfallverhütung mit Tablette, sowie psychologische Unterstützung. 2020 waren bei mehr als der Hälfte der Betroffenen, die wegen sexualisierter Gewalt zu uns in Behandlung kamen, die Täter bewaffnet. Leider müssen wir davon ausgehen, dass immer noch große Hindernisse bestehen, sexualisierte Gewaltakte zu melden, und wir deswegen nach wie vor keineswegs ein vollständiges Bild vom Ausmaß der Taten haben. Nach UN-Schätzungen hat nur eine von vier Überlebenden Zugang zu medizinischer Versorgung, nur 5 Prozent zu psychosozialer Unterstützung, 15 Prozent zu rechtlichem Beistand und nur 0,5 Prozent zu sozioökonomischen Hilfen. 

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