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Die aktuelle Situation in der Ukraine

Mehr als fünf Millionen Menschen sind laut Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR vor dem Krieg in der Ukraine ins Ausland geflohen, etwa 7,7 Millionen Menschen sind innerhalb des Landes auf der Flucht. Mit einem für den Krankentransport umgebauten Zug ist es uns gelungen, Schwerverletzte zu evakuieren: Aus Saporischschja und Kramatorsk wurden Patient*innen nach Lwiw, Dnipro und Kyjiw gebracht. Dort können sie weiter medizinisch versorgt werden. In Hostomel in der Nähe von Butscha und Kyjiw haben wir ein neues Projekt ins Leben gerufen und bieten den Menschen medizinische Grundversorgung und psychologische Betreuung. Derzeit sind 570 Mitarbeiter*innen von uns in der Ukraine im Einsatz.

Krankenhäuser werden getroffen  

In der ukrainischen Stadt Mykolajiw wurden unsere Mitarbeiter*innen bei einem Treffen mit Vertreter*innen der Gesundheitsbehörden und dem anschließenden Besuch einer onkologischen Klinik Zeugen eines Angriffs auf ein Krankenhaus. Im Moment prüfen wir, wie wir unsere geplanten Aktivitäten in Mykolajiw ausweiten können. 

Etwa zehn Minuten lang ereigneten sich mehrere Explosionen in unmittelbarer Nähe unserer Mitarbeitenden. Als unser Team die Umgebung des Krankenhauses verließ, haben sie mehrere Verletzte und mindestens eine Leiche gesehen. Wir können jedoch keine genaue Zahl an Toten und Verletzten nennen. Glücklicherweise wurden unsere  Mitarbeitenden nicht verletzt.
- Michel-Olivier Lacharité, unser Einsatzleiter in Odesa  

Zivilist*innen und humanitäre Helfer*innen müssen geschützt werden! Fliehende brauchen sichere Fluchtwege und den Zugang zu humanitärer Hilfe – nicht nur in für humanitäre Korridore ausgewiesenen Zeiten. Und humanitäre Helfer*innen, Gesundheitspersonal und Patient*innen dürfen kein Ziel von Angriffen sein. 

So helfen wir

  • Wir liefern medizinische und humanitäre Hilfsgüter: Seit Kriegsbeginn haben wir mehr als 460 Tonnen davon in die Ukraine gebracht.
  • Wir schulen und beraten ukrainische Krankenhäuser im Umgang mit Kriegsverletzungen und bei Notfällen, in denen gleichzeitig eine große Zahl an Patient*innen eingeliefert wird. 
  • Wir versorgen Menschen in unseren mobilen Kliniken, zum Beispiel in Charkiw. 
  • Mit zwei für medizinische Zwecke umgebauten Zügen evakuieren wir Patient*innen aus Brennpunkten, wie Saporischschja und Kramatorsk.
  • Wir beobachten, dass der Bedarf an psychologischer Betreuung überall wächst: Angstzustände, Panikattacken und Schlafstörungen sind häufige Symptome bei den Menschen.
  • Wir helfen in den Grenzregionen in Polen, Ungarn, der Slowakei, der Republik Moldau und in Russland bei der Versorgung von Geflüchteten. Auch in Belarus sind wir bereit, Unterstützung zu leisten, sollte der Bedarf entstehen.

Mobile Kliniken in den U-Bahnhöfen Charkiws

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Elena und ihr Sohn Kirill im Gespräch mit Mitarbeiter*innen von Ärzte ohne Grenzen
"Als ich auf dem Markt war, sah ich die Explosion in meiner Nähe und das Feuer, das daraufhin entstand. Ich war fassungslos", erzählt Elena über die ersten Tage des Krieges.
©Adrienne Surprenant/MYOP

Elena ist zum zweiten Mal mit ihrem sechsjährigen Sohn in einer von unseren mobilen Kliniken, die wir in den U-Bahnstationen Charkiws im Nordosten der Ukraine betreiben. Als der Krieg begann, suchte sie mit ihrer Familie Zuflucht im U-Bahnhof.   

Zu Hause ist es besser! Aber in der U-Bahn ist man wenigstens sicher, und die Mitarbeiter*innen behandeln uns gut. Ich bin dankbar. Das erste Mal war ich wegen des Hustens meines Sohnes  in der Sprechstunde. Jetzt geht es ihm besser. Ohne Ärzte ohne Grenzen hätte ich einen Krankenwagen gerufen, weil alle Kliniken in der Nähe geschlossen sind. Es wäre viel zu riskant gewesen, auf eigene Faust in eine Klinik zu gehen.

Elena hat nie daran gedacht, wegzugehen: "Charkiw ist meine Heimatstadt. Ich habe sie nie verlassen. Ich habe nie daran gedacht, an andere Orte zu gehen."

Weitere Videos über unsere Ukraine-Hilfe finden Sie auf unserem YouTube-Kanal.

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Hilfsgüter liefern und Verletzte und chronisch kranke Menschen versorgen

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Ukraine Krieg Lieferung von Hilfsgütern und medizinischem Material auf ihrem Weg nach Kyjiw
Medizinische Hilfsgüter werden in unserem Lager in Lwiw auf Züge mit dem Ziel Kyjiw verladen.
©MSF

Der Mangel an Medikamenten und anderem medizinischem Material ist in den ukrainischen Krankenhäusern zu spüren. Bisher lag unsere Priorität auf der Lieferung von medizinischen Hilfsgütern für Chirurgie, Notaufnahmen und Intensivstationen. Wir konnten beispielsweise medizinische Güter nach Tschernihiw, Odesa und Schytomyr liefern. Doch allmählich zeichnet sich ein breiteres Bild: Es bedarf zum Beispiel Insulin für Diabetespatient*innen oder anderer Medikamente für chronisch erkrankte Menschen. Es ist eine Herausforderung, die Hilfsgüter dorthin zu bringen, wo sie in der Ukraine benötigt werden.

Eine weitere Priorität liegt auf der Versorgung von Verletzten. In einem Kinderkrankenhaus in Kyjiw habe wir beispielweise Trainings zum Umgang mit vielen Verletzten zur gleichen Zeit und praktische Übungen für Kriegschirurgie gegeben. Weitere Schulungen werden angeboten, um Gesundheitszentren im Großraum Kyjiw bei der Versorgung von chronisch kranken Patient*innen und anderen medizinischen Notfällen zu unterstützen. In Lwiw, Mukatschebo, Winnyzja und Schytomyr haben wir ebenfalls Trainings abgehalten.

Da sich die Lage in den Kampfgebieten schnell ändert, beobachten wir kontinuierlich die Dynamiken, um unsere Mitarbeiter*innen zu schützen und unsere Aktivitäten anzupassen. In der Analyse, wo der größte Hilfebedarf besteht, unterstützt uns außerdem ein Netzwerk von Mediziner*innen an mehreren Orten der Ukraine.

Medizinische Versorgung in Dnipro und der Ostukraine

Um dem wachsenden Bedarf an medizinischer Hilfe in der Ostukraine nahe der Front gerecht zu werden, weiten wir unsere Aktivitäten in der Region aus. In Dnipro versorgen wir Menschen, die aus Teilen der Oblast Donezk und Luhansk geflohen sind. Wir stellen lebenswichtige Hilfsgüter bereit, gewährleisten die weitere Versorgung von chronisch erkrankten Menschen, bieten psychologische Erste Hilfe an und vernetzen die Menschen mit Gesundheits- und Sozialdiensten vor Ort. Auch in Schaporischschja betreuen wir Menschen in Aufnahmezentren, die aus Mariupol und der Umgebung kommen. Wir haben Mitarbeiter*innen zahlreicher ukrainischer Krankenhäuser vor Ort oder aus der Ferne darin geschult, eine Vielzahl an Verletzten zu behandeln, die gleichzeitig eingeliefert werden. 

Nach wie vor ist Dnipro ein wichtiger Knotenpunkt für die Evakuierung von Patient*innen mit medizinischen Zügen aus Krankenhäusern, die weiter östlich und näher an der Front liegen. 

Mit Beginn des Kriegs mussten wir unsere bisherige Arbeit im Osten der Ukraine einstellen: Schon vorher war der Bedarf an medizinischer Hilfe groß. Seit acht Jahren sind die Menschen vom Konflikt in der Ostukraine betroffen. In Sewerdonozek behandelten wir HIV-Patient*innen, in Schytomyr versorgten wir Menschen, die an Tuberkulose erkrankt sind und in Donezk leisteten wir medizinische Grundversorgung.

Hilfe für Menschen auf der Flucht

Zu Fuß, in Autos und Bussen fliehen die Menschen vor den Kämpfen in der Ukraine. Es sind vor allem Frauen, Kinder und Ältere, die ihre Heimat verlassen, oder innerhalb des Landes fliehen. Viele sind erschöpft und traumatisiert. Wir helfen den Fliehenden auf beiden Seiten der Grenzen.

Die Stadt Saporischschja ist für viele Geflüchtete aus dem Südosten der Ukraine die erste Station. Unsere Teams stehen in einem umfunktionierten Einkaufszentrum bereit und unterstützen die Menschen psychologisch. Wir geben ihnen einen sicheren Ort für ihre Emotionen und geben ihnen Orientierung in der neuen Situation.

Psychologische Unterstützung für Geflüchtete aus der Ostukraine in Saporischschja

Unsere Unterstützung passen wir kontinuierlich an die Bedarfe in den Nachbarländern Polen, Slowakei, Moldau, Ungarn, Rumänien, Russland und Belarus an.

Geflüchtete aus der Ukraine

Zu Fuß, in Autos und Bussen überqueren die Menschen die Grenze und fliehen vor den Kämpfen in der Ukraine. Wir leisten auch in vielen Nachbarländern Hilfe.

Ein medizinischer Zug für den Krankentransport

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Patient:innen werden in einem Zug von Mitarbeitenden von Ärzte ohne Grenzen versorgt
Auf dem Weg in Sicherheit - gemeinsam mit der ukrainischen Eisenbahn und dem Gesundheitsministerium haben unsere Teams weitere Menschen aus Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nahe der Front evakuieren können.
©AFP PHOTO/GENYA SAVILOV

Am 1. April konnten wir die ersten Patient*innen, die in Mariupol verwundet wurden, aus Krankenhäusern in Schaporischschja mit einem umgebauten Zug nach Lwiw bringen. Dafür haben wir zwei Waggons wie eine einfache Krankenstation ausgestattet. Ein medizinisches Team begleitete den Transport. Seitdem haben wir weitere Patient*innen per Zug aus Krankenhäusern nahe der Frontlinie in Donezk und Luhansk verlegt. Inzwischen haben wir einen neuen größeren und medizinisch besser ausgestatteten Zug in Betrieb genommen. Insgesamt konnten so bislang 342 Patient*innen und ihre Familien medizinisch evakuiert werden.

Bericht unserer Ärztin Joanne Liu über einen ersten Krankentransport mit Schwerverletzten aus Saporischschja nach Lwiw

12.05.2022

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Mitarbeiten bei Ärzte ohne Grenzen

Wir freuen uns über die große Bereitschaft, sich für die Menschen in der Ukraine zu engagieren! Unser Bewerbungsverfahren läuft allerdings generell so ab, dass sich Interessent*innen nicht für bestimmte Länder bewerben können. Nach einem erfolgreichen Verfahren entscheiden wir auf Grundlage der aktuellen Dringlichkeit, in welchem unserer weltweiten Projekte ggf. neue Mitarbeiter*innen eingesetzt werden.

 

Unsere Aktivitäten in der Ukraine bis zum Ausbruch des Kriegs im Februar 2022

Der Zugang zur Gesundheitsversorgung war für Menschen, die entlang der Kontaktlinie des seit 2014 andauernden Konflikts in der Ostukraine leben, eingeschränkt. In der Region Donezk arbeiteten wir mit lokalen Freiwilligen, Organisationen, Gesundheitsfachkräften und Behörden zusammen, um den Menschen zu helfen, Gesundheitseinrichtungen aufzusuchen, Zugang zu verschriebenen Medikamenten zu erhalten und das Bewusstsein für bestimmte gesundheitliche Probleme zu schärfen. Unsere Teams haben auch Hausärzt*innen und Gemeindepfleger*innen geschult und unterstützt, damit sie ihren Patient*innen grundlegende psychologische Gesundheitsdienste anbieten können. In der Region Luhansk haben wir ein HIV-Projekt betrieben.

Andernorts in der Ukraine haben wir daran gearbeitet zu zeigen, dass es möglich ist, Patient*innen mit resistenter Tuberkulose durch eine Kombination aus einer Kurzzeitbehandlung mit neueren Medikamenten, psychologischer Beratung und sozialer Unterstützung erfolgreich zu behandeln.

Unsere Hilfe in der Ukraine im Jahr 2020 

  • 3933 ambulante Sprechstunden 

  • 1047 psychologische Einzelgespräche 

  • 172 Neubehandlungen gegen Hepatitis C 

  • 91 Neubehandlungen gegen resistente Tuberkulose 

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1999 Hilfe in der Ukraine an. 

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Covid-19-Patientin in der Region Donezk in der Ostukraine
Donezk, November 2020: Die 63-jährige Olha Kostenko ist von ihrer Covid-19-Erkrankung genesen. Unsere Mitarbeiterin Inna Onyschenko informiert sie über psychische Gesundheit.
©MSF/Marta Znak
  • 77.8
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 68
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 167
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 6.9
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: UNDESA (2019a), MSF International Activity Report 2020

Medizinisches Angebot in konfliktreicher Region

Wir unterstützten die Behörden in der Ukraine dabei, die Gesundheitsversorgung in der entlegenen und konfliktreichen Region Donezk zu verbessern. Wir arbeiteten in medizinischen Einrichtungen und boten technische und praktische Hilfe für das Personal an. 

HIV- und Tuberkulose-Versorgung

In der Region Luhansk verbesserten wir die Diagnose und Behandlung von HIV-Patient*innen im fortgeschrittenen Stadium. In Mykolajiw versorgten wir HIV-Patient*innen, die gleichzeitig an Hepatitis C erkrankt waren und übergaben dieses Projekt im Mai an die Behörden. In Zhytomyr betreuten wir ein Tuberkulose-Projekt, in dem Patient*innen mit resistenten Tuberkuloseformen behandelt werden. In Kyjiw, Donezk und Zhytomyr unterstützten wir zudem die Behörden bei der Covid-19-Bekämpfung.  

29.07.2021