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Die aktuelle Situation in Pakistan

Überschwemmungen während der Monsunregenfälle haben im Sommer 2022 Schätzungen zufolge mehr als 70 Prozent des Landes geflutet: Mindestens 33 Millionen Menschen sind betroffen – bislang starben mehr als 1.500 Menschen. Bis Ende August ist in Pakistan bereits fast dreimal so viel Regen gefallen, wie für das dritte Quartal (ausgehend vom Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre) üblich ist. Die Provinz Sindh ist am schlimmsten betroffen, dort gingen 464 Prozent mehr Niederschläge als im Vergleich des Durchschnitts der vergangenen drei Jahrzehnte nieder. Auch die Provinz Balutschistan wurde schwer getroffen. Dort wurden fast 62.000 Häuser beschädigt und mehr als 145.900 Nutztiere starben. Die Katastrophe im Land hat immense Ausmaße, wir haben daher über unsere regulären Programme in Pakistan hinaus schnell mit Hilfsmaßnahmen begonnen. Momentan haben wir 1.844 Mitarbeitende im Einsatz. Allerdings sind zur Bewältigung dieser Situation verstärkte Aktivitäten aller in Frage kommenden Akteure gefordert. Allein bis das Wasser wieder abgeflossen ist, kann es Monate dauern.

Wie wir in Pakistan helfen

  • In Balutschistan unterstützen unsere Teams in Dera Murad Jamali und in Dera Allahyar von den Fluten Betroffene medizinisch mit mobilen Kliniken und verteilen Hilfsgüter. Zudem überweisen wir Menschen in ein von uns unterstütztes Bezirkskrankenhaus. Auch in Quetta und Chaman geben wir Material aus und kümmern uns um die Wasserversorgung.
  • Im Distrikt Dadu haben wir zwei mobile Kliniken errichtet. Dort stellen wir eine medizinische Grundversorgung zur Verfügung und unterstützen insbesondere Patient*innen, die von Malariainfektionen sowie Haut- und Durchfallerkrankungen betroffen sind. In der Stadt Sukkur haben wir bereits Hilfsgüter wie Plastikplanen an obdachlose Familien ausgegeben und stellen außerdem sauberes Trinkwasser zur Verfügung.  
  • In der Provinz Khyber Pakhtunkhuwa unterstützen unsere Teams von den Fluten Betroffene in direkt am Flussufer gelegenen Dörfern. Ein besonderer Fokus liegt dort auf der Behandlung von Krankheiten, die durch verunreinigtes oder stehendes Wasser verursacht werden. 
  • Auch in Punjab planen wir derzeit Aktivitäten, um die dortige Bevölkerung zu unterstützen. Unsere regulären Aktivitäten in Pakistan umfassen die Hilfe für mangelernährte Kinder, die Behandlung von Patient*innen mit resistenter Tuberkulose, kutaner Leishmaniose und Hepatitis C. Wir haben außerdem auch Angebote im Bereich Geburtshilfe und Pädiatrie. 

Warum wir in Pakistan helfen

Der Hilfsbedarf aufgrund der Fluten hat immense Dimensionen. Aufgrund der überschwemmten Straßen ist die Anlieferung von Lebensmitteln kaum möglich - sie werden immer knapper.

Daher ist die Verteilung von Nahrungsmitteln und Hilfsgütern so dringend notwendig. Von größter Wichtigkeit ist ebenfalls, dass die Menschen sauberes Trinkwasser erhalten und sicher untergebracht werden.  

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In Quetta geben wir Material aus und kümmern uns um die Wasserversorgung
Hilfe in Quetta, Balutschistan: Unsere Teams verteilen Material an Menschen, die von den Fluten betroffen sind.
©MSF

Eine funktionierende Wasser- und Abwasserversorgung ist grundlegend, um Ausbrüche von Erkrankungen zu vermeiden. Unsere Teams verzeichnen momentan einen starken Anstieg von Malariainfektionen, die durch vermehrt im stehenden Flutwasser brütende Stechmücken zunehmen. Auch besorgt uns, dass Malaria-Medikamente nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen. Außerdem behandeln wir eine steigende Anzahl von Patient*innen mit Durchfallerkrankungen, Dengue Fieber, Atemwegserkrankungen sowie Haut- und Augeninfektionen.  

Leider ist in der Monsunzeit mit weiteren Regenfällen zu rechnen. Es müssen also vorausschauende Maßnahmen ergriffen und die von den Fluten betroffenen Menschen auch längerfristig unterstützt werden. 

In Pakistan wird auch in anderen Bereichen Unterstützung bei der medizinischen Versorgung benötigt, so etwa bei der Behandlung resistenter Tuberkulose oder kutaner Leishmaniose. Wir leisten diese Hilfe und haben auch weitere Aktivitäten. 

Ärzte ohne Grenzen bot erstmals 1986 Hilfe in Pakistan an. 

  • 68.3
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 83.7 Jahre
  • 66.3
    Jahre im Durchschnitt.
    In Deutschland: 78.9 Jahre
  • 1153
    Mitarbeiter*innen waren für uns im Einsatz.
  • 14.3
    Millionen Euro haben wir für unsere Hilfe vor Ort aufgewendet.

Quellen: WHO (2019), MSF International Activity Report 2021 (2022)

Unsere Hilfe in Pakistan im Jahr 2021 

  • 19.700 Entbindungen
  • 10.500 Kinder in ambulanten Ernährungsprogrammen
  • 6.200 Behandlungen gegen kutane Leishmaniose
  • 10.700 Impfungen gegen Covid-19

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Hilfe für die von den Fluten betroffenen Menschen in Balutschistan

Unsere Teams in der Provinz Balutschistan, zu denen auch Mitarbeiter*innen gehören, deren eigene Häuser überflutet wurden, reagierten schnell auf die Fluten. In Dera Murad Jamali haben sie beispielsweise zwei mobile Kliniken eigerichtet. Sie haben 7.000 Patient*innen mit Malaria, Fieber, Hautkrankheiten, Durchfall, Haut- und Augeninfektionen behandelt und überweisen Patient*innen an das zentrale Bezirkskrankenhaus weiter. Sie arbeiten auch im Bereich der Gesundheitsförderung und konnten mehr als 400 Hygienekits und Moskitonetze verteilen.

Wir sehen Menschen entlang der Straßen sitzen. Viele haben bereits Hilfe wie Nahrungsmittel, Moskitonetze oder Hygieneartikel erhalten. Aber es gibt auch viele, die in abgelegenere Regionen sind und  noch immer auf Unterstützung warten, weil sie schwer zu erreichen sind. Wir haben eine Gruppe getroffen, die seit Beginn der Überschwemmungen vergeblich ausgeharrt hat. Unser Team hat sie umgehend versorgt und medizinisch behandelt.

- Shahid Abdullah, Notfallkoordinator in Balutschistan

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Medizinische Hilfe in mobilen Kliniken für die Betroffenen in Pakistan
In unserer mobilen Klinik in Quetta bieten unsere Teams medizinische Hilfe für die betroffenen Menschen in Pakistan an.
©MSF

In Chaman wurden an zwei Orten mehr als 450 Konsultationen gemacht und an einem der beiden zusätzlich Hygieneartikel verteilt. In Quetta behandelten wir mehr als 800 Patient*innen mit Atemwegsinfektionen und Durchfall. Auch an der östlichen Umgehungsstraße haben wir Material und Trinkwasser verteilt und uns um eine medizinische Grundversorgung gekümmert. Viele der Menschen dort sind Geflüchtete aus Afghanistan.

Aktivitäten in der Provinz Sindh 

Für unsere Teams war es zunächst schwierig, die Provinz Sindh zu erreichen, u.a. weil so viele Straßen weggeschwemmt worden waren. Mittlerweile betreiben wir im Distrikt Dadu zwei mobile Kliniken und haben bereits mehr als 1.500 Patient*innen medizinisch versorgt, die insbesondere von Hautkrankheiten, Malaria und Durchfallerkrankungen betroffen sind. Zudem stellen wir im dortigen Vertriebenencamp mehr als 20.000 Liter sauberes Trinkwasser pro Tag zur Verfügung. Weitere Wassertransporte sind momentan in Planung.

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Menschen suchen Schutz in Zelten vor Fluten und Überschwemmungen
Im Bezirk Dadu in Pakistan suchen die Menschen in Zelten und anderen provisorischen Unterkünften Schutz, da ihre Häuser geflutet und zerstört wurden.
©MSF

Auch in der Stadt Sukkur haben wir mit der Verteilung sauberen Trinkwassers begonnen. Wasserspeicher mit einer Kapazität von 24.000 Litern werden täglich von unseren Teams nachgefüllt. So konnten wir bis zum 21. September mehr als 200.000 Liter sauberes Trinkwasser an Vertriebene ausgeben. 

Hilfe in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa  

In Charsada in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa haben unsere Teams mit der medizinischen Versorgung von Patient*innen in drei verschiedenen Dörfern begonnen, die teilweise oder vollständig durch die Flut zerstört worden sind. Durch das stehende Wasser kommt es dort momentan zu Ausbrüchen verschiedener Infektionskrankheiten. In der Woche bis zum 21. September haben unsere Teams dort 983 Patient*innen mit Atemwegserkrankungen, Haut- und Augeninfektionen, Durchfall sowie chronischen Krankheiten behandelt. Außerdem wurden Hygiene- und Küchensets sowie Moskitonetze an mehr als 600 Familien verteilt. Zudem wollen wir in den betroffenen Dörfern mit der Installation von Wasserspeichern beginnen, um den Zugang zu sauberem Trinkwasser sicherzustellen.

Schließlich planen wir auch, im Distrikt Rajanpur in der Provinz Punjab aktiv zu werden. 

Wir müssen uns darauf einstellen, dass diese Überschwemmungen die Menschen vor Ort noch über Monate hinweg beeinflussen werden: Gesundheitseinrichtungen wurden beschädigt, Ernten wurden zerstört und es herrscht eine große Lebensmittelknappheit. 

- Dr. Khalid Elsheikh Ahmedana, stellvertretender Notfallkoordinator 

Unsere regulären Programme in Pakistan

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Hilfe gegen Covid-19 Pakistan Impfung
2021 gehörten auch Impfungen gegen Covid-19 zu unseren Aktivitäten: Auf dem Foto ist zu sehen, wie einer unserer Mitarbeiter Muhammad Sarwar gegen Covid-19 impft. Der Mann lebt mit seiner Familie in der Provinz Sindh.
©Zahra Shoukat/MSF

In den Provinzen Balutschistan und Khyber Pakhtunkhwa bieten wir eine Versorgung im Bereich reproduktiver und pädiatrischer Medizin an. Unser Angebot in der Geburtshilfe umfasst eine 24-Stunden-Notfallversorgung, die nicht nur Menschen aus der Region zugutekommt, sondern auch Geflüchteten aus Afghanistan.  Wir betreiben mehrere Behandlungszentren für Patient*innen, die an kutaner Leishmaniose erkrankt sind. In Balutschistan haben wir zudem Programme für stark mangelernährte Kinder. In der Provinz Pundschab unterstützen wir Menschen, die an resistenter Tuberkulose leiden. Schließlich bieten wir an einem Standort in Karatschi (Provinz Sindh) neben einer medizinischen Grundversorgung auch Hepatitis-C-Screenings und -Behandlungen an. 

Zuletzt aktualisiert: 22.09.2022